Millionen-Investition des Bundes geplant:Nvidia-Chef Huang über Deutschlands Chancen bei Industrie-KI
Nvidia-Chef Huang sieht Deutschland als führenden Industriestandort. Diese Stärke müsse mit KI verbunden werden. Dafür plant die Bundesregierung einen Deal mit dem Chipkonzern.
Die Bundesregierung plant einen KI-Pakt mit Nvidia. Im ZDF-Interview erklärt Konzernchef Jensen Huang, was das bedeutet - und warum die Kontrolle über Industriedaten in Deutschland bleibt.
16.10.2026 | 3:42 minDie Bundesregierung will eine Partnerschaft mit dem US-Chipkonzern Nvidia schließen, um der Künstlichen Intelligenz (KI) in der Industrie zum Durchbruch zu verhelfen. Darüber sprach Nvidia-Chef Jensen Huang am Freitagabend mit ZDFheute am Rande einer Produktpräsentation in Berlin. Regierungskreise bestätigten den Deal gegenüber ZDFheute. Zuvor hatte das "Handelsblatt" berichtet.
KI-Partnerschaft mit Nvidia soll beim Investitionsgipfel vorgestellt werden
Mit dem Investitionsgipfel "Invest in Germany" am Montag und Dienstag in Berlin will die Bundesregierung Investoren aus dem In- und Ausland anwerben. Zum Auftakt am Montagabend mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wird auch Nvidia-Chef Jensen Huang erwartet. Nach Informationen von ZDFheute soll dabei die geplante Kooperation zwischen der Bundesregierung und Nvidia offiziell bekanntgegeben werden.
Deutschland baut zunehmend KI in industrielle Prozesse ein. Warum gerade das für die Wertschöpfung von KI wichtig ist.
28.06.2026 | 1:03 minNvidia-Chef Huang sieht deutsche Industrie bei KI im Vorteil
Huang sieht Deutschland in einer Schlüsselrolle für die nächste Welle der KI. Das Land verfüge mit seiner Industrie, dem Maschinenbau und der Automobilbranche über starke Voraussetzungen, um KI-Anwendungen in die reale Welt zu bringen.
Die hiesige Technologie ist bereit, auf die Technologie zu treffen, in der Nvidia stark ist: Künstliche Intelligenz.
Jensen Huang, CEO von Nvidia
Der Bund ist laut "Handelsblatt" bereit, einen dreistelligen Millionenbetrag in das Projekt zu investieren. Das Geld dafür könne aus Mitteln kommen, die für die Hightech-Agenda des Bundes reserviert sind, zitiert die Zeitung aus Regierungskreisen.
KI für Training von Robotern und autonomen Fahrzeugen
Mit der Initiative solle das Fundament für sogenannte "physische KI" gelegt werden. Gemeint sind KI-Systeme, die nicht nur Texte oder Bilder erzeugen, sondern mit der realen Welt interagieren, etwa in Robotern, autonomen Fahrzeugen oder automatisierten Fabriken, hieß es in dem Bericht weiter.
Laut "Handelsblatt" geht es bei dem Projekt um den Einsatz "physischer KI". Unter "physischer KI" versteht Nvidia Künstliche Intelligenz, die mit der realen Welt interagiert - also etwa Roboter, autonom fahrende Autos, Technik in automatisierten Industrieanlagen.
Ein typisches Beispiel des Konzerns sind humanoide Roboter, die dank Sensoren wie Kameras ihre Umgebung erfassen, mit Hilfe von KI analysieren und auf dieser Basis ihnen zugeteilte Aufgaben erledigen können.
(Quelle: dpa)
Nvidia arbeitet nach Angaben Huangs bereits mit Unternehmen wie Siemens, Audi und Mercedes zusammen. Ziel sei es, Roboter und industrielle Anlagen mithilfe spezieller KI-Modelle zu trainieren und zu steuern.
Ich freue mich sehr, dass die Bundesregierung die deutsche Industrie dabei unterstützen wird, diese Technologien im großen Maßstab auszubauen.
Jensen Huang, CEO von Nvidia
Die staatliche "Anschubfinanzierung" soll laut "Handelsblatt" unter anderem dazu dienen, Rechenkapazitäten auf einer KI-Cloud der Deutschen Telekom zu mieten. Nvidia wolle sich mit der Entsendung von Ingenieuren und der Lieferung von Chips an dem Vorhaben beteiligen.
An dem Projekt wollen sich dem "Handelsblatt" zufolge etwa ein Dutzend deutsche Unternehmen beteiligen, darunter Siemens, die Volkswagen-Tochter Audi und die KI-Firma Black Forest Labs.
Menschenähnliche Roboter helfen im Haushalt oder arbeiten testweise in Autofabriken. Bei ihrer Entwicklung liegen meist chinesische Firmen vorn. Deutsche Unternehmen wollen den Anschluss halten, auch mit Hilfe aus China.
15.10.2026 | 2:26 minHuang sieht Datenkontrolle als Schlüssel zur digitalen Souveränität
Die enge Zusammenarbeit mit einem US-Technologiekonzern wirft auch Fragen nach der digitalen Souveränität auf. Gegenüber ZDFheute betont Huang jedoch, entscheidend sei nicht, wer die Hardware baue, sondern wer Daten und Anwendungen kontrolliere. Nvidia liefere die Computersysteme, doch:
Was auf den Systemen läuft, sollte hier in Deutschland bereitgestellt werden. Somit kontrollieren Sie selbst Ihre Daten, Ihre Handlungsfähigkeit.
Jensen Huang, CEO von Nvidia
"Damit haben Sie die Souveränität", so der Nvidia-Chef.
Huang: Hohe Energiekosten machen Effizienz noch wichtiger
Nvidia ist mit seinen Produkten für Rechenzentren der zentrale Motor des KI-Booms. Das Unternehmen stellt mit Chips und Chipsystemen die Schlüsseltechnologien zum Training großer KI-Sprachmodelle sowie zu deren Betrieb her.
Angesichts hoher Energiekosten in Europa argumentiert Huang, dass leistungsfähigere Rechner langfristig sogar ein Vorteil sein könnten. Da die Entwicklung einzelner Chips an physikalische Grenzen stoße, optimiere Nvidia heute ganze Computersysteme samt Software. Dadurch seien deutlich größere Leistungssprünge möglich als früher.
"Energie ist extrem teuer", sagte Huang. Gerade deshalb müsse sichergestellt werden, "dass im Inneren der effizienteste und leistungsfähigste Computer arbeitet".
Das Interview mit Nvidia-Chef Jensen Huang führte Christoph Röckerath, Korrespondent des ZDF-Hauptstadtstudios Berlin, ausgewertet hat es Anne Sophie Feil.
Mehr zu Nvidia und KI
KI-Infrastruktur:Nvidia verdoppelt Umsatz: "Rechenleistung ist das neue Öl"
mit Video0:24KI in der deutschen Industrie:Warum die Fabrik wichtiger sein könnte als der Chatbot
von Arlette Geburtigmit Video1:03"Europe 2031" warnt vor KI-Abhängigkeit:Kann Europa im KI-Rennen noch aufholen?
von Florian Neuhannmit Video3:19Auch eine Marketingstrategie?:Warum das Silicon Valley vor der eigenen Technologie warnt
von Cornelius Janzenmit Video9:59